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Du hast nichts!

Es war für mich eine sehr komische Zeit. Der Aufenthalt im Asklepios Krankenhaus dauerte gerade einmal 3 Stunden. Ich wurde hineingebracht, von einer Schwester und einem zuständigen Arzt befragt, einmal grob angeguckt, bekam Blut abgenommen und wurde schwubs in ein Zimmer geschoben. Hier wurde ich dann an ein sehr nerviges EKG angeschlossen, welches ständig düddelte und ich bekam eine Infusion. Zu mir ins Zimmer wurde eine Frau mit Atemnot geschoben. Nach einem Autounfall verkrampfte ihr ganzer Körper. Sie konnte nicht atmen. 4 Leute waren mit ihr beschäftigt und ich lag da, hatte gefühlt nichts und fragte mich: „Was mach ich eigentlich hier?“ Ich wurde entlassen, bekam einen Brief, ein paar Tabletten in die Hand gedrückt und Tschüss. Nun watschelte ich draußen rum. Es regnete. Gut, dass ich nur noch ungefähr 1,5 Stunden unterwegs war.

Am nächsten Tag besuchte ich meinen vertretenden Hausarzt. Hier das gleiche Spiel – vom Warten, über die Blutabnahme, bis zu schlauen Worten. Er schickte mich aufgrund der Schwindelanfälle zum Neurologen und Chiropraktiker. Bei beiden habe ich gleich einen Termin bekommen, aber Erfolge gab es keine. „Alles soweit in Ordnung“, ein Satz den ich noch öfter hören sollte. Die Blutwerte waren (welch Überraschung) auch okay. Meine Hausärztin übernahm und meinte noch „Bleiben Sie mal eine Woche zuhause und gucken Sie mal wie es dann geht.“ Gesagt, getan.

Auf ein Neues! Ich ging wieder arbeiten oder besser ich versuchte es. Zunächst hatte ich jedoch einen Termin beim HNO-Arzt. Ich hatte mir extra früh einen Termin geben lassen, doch irgendwie fing es schon blöd an. Hier wollte man mich auf umständlichste Weise auf Schwindel testen. Ich bekam ein Ohr gespült, der Stuhl wurde einmal gedreht und dann? Das Gerät, das meine Augen filmen sollte funktionierte nicht, es sei noch zu früh am Morgen hieß es.  Also alles auf Anfang, sie versuchten es erneut und erneut. Alle nachfolgenden Termine verschoben sich bereits um etwa eine halbe Stunde. Gleiche Prozedur noch einmal, diesmal manuell – spülen, schaukeln, gucken, nichts. Es gab Tabletten – später im Krankenhaus sagte man, dass ich die nie hätte nehmen dürfen, aber nun gut.

Auf der Arbeit angekommen (es war bereits 12 Uhr), lief gerade das groß gefeierte Ringwurfturnier, zu dem sich fast die ganze Agentur versammelte und lautstark einzelne Teilnehmer anfeuerte. Wenigstens lag die Aufmerksamkeit so nicht bei mir, dachte ich…  und auf ein paar Rückenschmerzen lief’s dann auch recht gut.

Der nächste Tag startete dann schon früh mit starken Rückenschmerzen, so stark, dass ich zunächst meinen Orthopäden aufsuchen musste. Ich hatte ganze 8 Blockaden gesammelt. Der Tag als solches verlief ohne weitere Vorkommnisse. Ich hatte ein tolles Projekt auf dem Tisch und werkelte so vor mich hin. Kurz nach 6 war es dann wieder soweit – eine falsche Bewegung, es knackte im Rücken und alles drehte sich. Ich konnte mich nicht mehr konzentrieren, gehen, noch klar sehen. Ich rief eine Kollegin und wurde erneut in zur Notaufnahme gebracht.
Ich konnte kaum laufen, aber da ich augenscheinlich kein Notfall war, noch mit einem Krankenwagen kam, wurde ich in den Wartebereich gesetzt. Es dauerte nicht lange, bis meine Beine zitterten und begannen zu treten.  Sie bewegten sich wie ferngesteuert, ein Tremor der feinsten Art. Ich versuchte mich irgendwie ruhig zu halten, aber nichts funktionierte. Alle anderen Wartenden starrten mich mit erstaunten Blick an, so muss sich ein Drogenjunkie fühlen, dachte ich. Meine Beine wollten sich einfach nicht beruhigen. Nach etwa 20 Minuten wurde eine Schwester, die gerade aus dem Röntgenraum kam, auf mich aufmerksam und stellte die schlaue Frage: „Ist alles okay mit Ihnen?“. Ich erklärte ihr, dass ich das Trampeln und Treten einfach nicht lassen könne und bekam nun ein Bett in den Wartebereich geschoben. Mitten auf dem Präsentierteller kam dann auch noch eine Hyperventilation dazu – großes Kino, für die anderen zumindest. Nach weiteren 30 Minuten beruhigte mein Körper sich und auch ich war dann mal an der Reihe. Bis auf ein kurzes Gespräch, eine erneute Blutabnahme plus Infusion, Erstaunen über die Tablettenverordnung und einem Brief, in dem anscheinend von einer ganz anderen Person die Rede war, gab es nichts. Mein Blick verschwommen, aber gut ab nach hause.

Die nächsten Tage wurden dann nur noch schlimmer. Mein Kreislauf schon morgens im Keller, starker Druck im Kopf und mein Körper anscheinend zu nichts mehr fähig. Hier suchte ich dann Hilfe in der Lübecker Uniklinik. Hier wurde das gleiche Standardprogramm abgearbeitet, für ebenfalls nichts. Bereits einen Tag später kroch ich nur noch durch die Wohnung. Mein Hausarzt überwies mich zur Beobachtung in die Uniklinik. Die wollten mich allerdings nicht. Nach kurzer Zeit stand eine Psychologin an meinem Bett. Ein kurzes Gespräch, die Info dass man nichts finden könnte und ich mich psychologisch betreuen lassen sollte. Am Besten gefiel mir hier der Ratschlag des Oberarztes: „Sagen Sie sich immer: Sie sind gesund und davon können Sie nicht sterben!“. Toller Tipp! Leider funktionierte das nicht so ganz.

1 Comment

  • Was für ein Alptraum. Ich bin gespannt, wie deine Story weitergeht….Dass du schon soviel deswegen durchmachen musstest. Gibt es denn eine Heilungs- oder Besserungschance?

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