am Straßenrand

Eine komische Blockade…

In den nachfolgenden Tagen wurde alles irgendwie nur noch schlimmer, hatte ich das Gefühl. Von meiner Ärztin gab’s gleich zur Diagnose ein Antibiotikum gegen Infektionen und Bakterien dazu, da man bei so einem Infekt anscheinend sehr anfällig für sowas sein sollte. Ein bisschen komisch Tabletten gegen etwas zu nehmen ohne zu wissen, dass da etwas ist, gegen das man vorgehen müsste. Nun gut…

Das Laufen fiel mir immer schwerer – sei es die Schwäche oder verschiedenste Hitzewallungen, die mich in unregelmäßigen Abständen fertig machten. Die Nächte waren geprägt vom häufigen Aufwachen und konfusen Symptomen. Die Tage auch nicht wirklich besser. Ein erneuter Arztbesuch erbrachte mir ‚Linderung‘. Schlaf- und Beruhigungstabletten, die die Überreizung der Nerven etwas mildern sollten und auch zum Schlafen recht hilfreich waren. Mein Zustand auf Droge verbesserte sich rapide. Etwas Schwach, Schmerzen merkte ich kaum, nur das Schwitzen bei kleinsten Anstrengungen war etwas unangenehm. Das Absetzen des Ganzen musste dann allmählich passieren, wie ich merkte als ich meine Tablette einmal vergessen hatte. Es ist wie ein Schlag, alles ist innerhalb kürzester Zeit wieder da und der Zustand ist noch ‚bescheidener‘ als vorher. So kann man sich einen kalten Entzug vorstellen, denke ich. Nun begann das Spielen mit den kleinen Pillen – heute mal eine halbe, oh jetzt kommt es wieder, ich brauch noch was, hmm vielleicht probier ich nur mal eine viertel, oh ne doch nicht…

Zwischenzeitlich versuchte ich dann auch mal wieder zurück nach Lübeck zu kommen – mit dem Auto. Meine Reise endete allerdings schon einige Orte weiter. Meine Rückenschmerzen und Schwierigkeiten kamen langsam wieder. Ich drehte um – aus einem Abschied wurde Ankunft.  Einkaufen konnte ich die nächsten Tage fast gar nicht mehr, ohne dass sich alles drehte und es mich gänzlich überforderte. Ich traute mich kaum noch vor die Tür, selbst zuhause war ich vor Anfällen nicht mehr sicher. Ein erneutes Aufsuchen meiner Hausärztin gab mir dann den Rest. „Sie haben da eine Blockade im Kopf, das ist alles.“, sagte sie… Total beruhigend. Auf solche Blockaden hätte ich gut und gern verzichtet. Also fingen wir wieder mit unserem Wundermittel an und merkten wieder einen recht positiven Effekt. Am Wochenende sollte es dann nun endlich wieder zurück gehen. Mir ging es irgendwie besser. Auf der Autobahn hatte ich dann allerdings mit den Tränen zu kämpfen. Mein Rücken verspannte und schmerzte komplett und jeder Kilometer war nur noch eine Qual. Nach einigen Zwischenstopps an den Raststätten kam dann der Entschluss – Ich musste zurück. Für mich war es furchtbar. Es war wie eine Aufgabe – ein Kampf ohne Ende und Sieg. Nach einem kurzen Anruf zuhause, drehte ich wieder um. Stand wieder eine Weile an den gleichen Raststätten wie damals.

In diesem dusseligigen 5-Menschen Dorf mit Kirche stand ich mit meinem Auto und wartete. Ich konnte weder sitzen, noch stehen, lag da und hoffte auf baldige Erlösung. Nach 20 Minuten bekam ich dann einen Rückruf. Mein Onkel war noch beim Fußball und man machte sich dann jetzt auf den Weg mich abzuholen. Dank Baustelle und Co sollte ich nun also eine gute Stunde warten. Nicht mit mir! Es ging weiter – bis zur altbekannten Tankstelle kam ich dann auch irgendwie wieder. Vielleicht hätte ich es auch komplett geschafft, aber sicher ist sicher. Es wurde dunkel und kalt, ich legte mich schon mal auf den Beifahrersitz so gut es ging und beobachtete die tankenden Menschen. Ich war wieder zuhause, meine Nerven blank. Heulkrampf ich komme.

Man kann es sich gar nicht so richtig vorstellen, noch beschreiben. Ich bin eigentlich ein Mensch bei dem Aufgeben keine Option ist und der bisher auch fast alles allein geschafft hat. Aber es ging in diesen Momenten oder Kämpfen mit mir selbst einfach gar nichts mehr. Ich konnte es einfach nicht verstehen – noch wollte ich es. Ein weiterer Versuch zurück nach Lübeck zu kommen gelang mir dann im Verlauf des Oktobers. Nicht gerade einfach, aber ich kam an, das war die Hauptsache. Wie sich bald herausstellen sollte, war dies keine gute Entscheidung, aber dazu später mehr.

 

 

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