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Ich bin kein Psycho, ich hab Rücken

Ärzte nehmen sich für einzelne Patienten, sofern man nicht mit ihnen befreundet ist nur selten bis gar keine Zeit. Sobald man nicht mit einfachen Dingen wie Magenschmerzen, Husten, einem geschwollenen Hals oder so etwas ankommt, sind sie oftmals gleich überfordert oder beginnen in Schubladen zu denken. Die meisten Schränke haben allerdings nur zwei Fächer – eins für alles leicht behandelbare und eins für komplexe, psychische/psychosomatische Dinge. Meine Hausärztin in Lübeck ist da leider nicht alleine mit diesem ‚beschränkten‘ Denken. Mit meinen Befunden meiner Blutuntersuchungen tauchte ich mal wieder bei ihr auf. Schon an der Rezeption wurde ich angeflaumt, da ich mal wieder etwas spät dran war und die Schwester nun auch noch etwas scannen musste – oh mein Gott Arbeit. Mit einem Verweis auf die Tafel (an der Stand dass man während den Sprechzeiten von 8-12 Uhr nur bis halb 10 ohne Termin erscheinen dürfe) wurde ich dann ins Wartezimmer geschickt. Das Wartezimmer war wie immer erschreckend voll. Ein einzelner Platz in dem 4 mal 3 Schritt großem Raum war noch frei. Lange sitzen konnte ich  nicht und so wippte zunächst noch auf dem Stuhl hin und her. Bereits nach einer halben Stunde in der sich einfach nichts getan hat stieg mir das alles zu Kopf. Ich merkte dass mein Kreislauf nicht mehr wirklich wollte. Ich wankte zur Rezeption, erzählte ihr dass ich das einfach nicht mehr hin bekomme. Nach einem kurzen Augenrollen wurde ich ins Vorzimmer geschickt, damit ich mich hinlegen durfte. Hier wartete ich nun hoffnungsvoll.

Nach einem kurzen Schläfchen und gefühlten Stunden war ich dann auch an der Reihe. Meine Ärztin winkte mich in ihr Zimmer und begann zu fragen, wie es mir denn ginge. Nicht gut, das war klar. Ich begann meine Erfahrungen der letzten Wochen zu erzählen. Etwas vorwurfsvoll, denn ich bin der Meinung, dass das eigentlich jeder hätte finden können, aber ändern konnte ich das jetzt auch nicht mehr. Nach einigen Minuten kam sie zu dem Entschluss, etwas ausruhen, spazieren und ein Besuch beim Orthopäden wären für mich das sinnvollste. Zuhause jedoch legte ich mich eher wieder hin, starre die Decke an und gucke aus dem Fenster. Da ich auch nicht großartig zum Kochen in der Lage war, gab es Eintopf aus der Dose, wie fast jeden Tag.

Mein Orthopäde ist ungefähr 900 Meter von mir entfernt. Innerhalb kürzester Zeit bekam ich dort einen Termin, bzw. ich wurde mit viel Wartezeit dazwischen geschoben. Dass es mir nicht gut ging brauchte ich gar nicht mehr betonen, sie kannten mich schon – ein komisches Krankheitsgefühl mit Hitzewallungen, komischen Druckschwankungen im Kopf und Schmerzen im Rücken mit wackeligen Beinen. Mit etwas Musik auf den Ohren sollte es schon gehen, dachte ich. Der Song „Müssen nur wollen“ von Wir sind Helden begleitete mich wie immer auf den Weg bis dort hin. Irgendwie muss man sich ja motivieren. Leider war auch dies nur semi-erfolgreich. Meine Beine hatten immer weniger Kraft und irgendwann setzt ein Gedankenstrudel ein. Man sagt sich ständig Dinge wie „Es ist nicht mehr weit“ oder „Du hast schon so viel geschafft, dann schaffst du das jetzt auch.“ Wege wurden für mich einfach nur noch ein großer Krampf, zwischen Aufgabe mit Heulkrampf und Selbstmotivation. Dort angekommen, klagte ich gleich beim Rüberreichen der Karte über meine Situation und durfte mich dann auch gleich in Sichtweite auf einer Sitzbank ausbreiten. Halb liegend, halb wippend, von allen herein oder heraus Kommenden angestarrt,  lag ich mal wieder da und wartete. Nach ein paar Röntgenaufnahmen und dem Lösen einiger erneuter Blockaden, sollte es das mal wieder gewesen sein. Gefunden? Nichts.

Bereits kurze Zeit später stand ich erneut auf seiner Matte. Da ich eigentlich einen recht engagierten Orthopäden habe, begutachtete er meinen Rücken erneut. Dass sich da wieder einiges blockiert hatte, war mir schon im Vorfeld klar gewesen- ich bekam eine Überweisung und dutzende Infoflyer zum MRT der LWS und eine Manuelle Therapie verschrieben. Die Info, dass es Ewigkeiten dauern könnte bis ich einen Termin habe, bekam ich gleich gratis mit dazu. Ich hatte Glück im Unglück. Nach zahlreichen Telefonaten hatte ich eine Radiologie gefunden, bei der ich schon in 3 Wochen erscheinen durfte. Dazwischen war es eine reine Tortour zwischen Hausarzt, in der Notaufnahme und zig gescheiterten Einkaufsversuchen. In der Uniklinik stellte man einmal einen Lumbargo fest, gefolgt von einem weiteren Rausschmeiß-Szenario. „Sie müssen sich mehr bewegen!“, „Stellen Sie sich mal nicht so an!“… ich konnte es nicht mehr hören. So langsam aber sicher wollte man mich in die psychische Ecke schieben. Irgendwie hatten sich alle gegen mich verschworen. Hm.

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