Untersuchungen, jucheee

Die nachfolgende Zeit, war gleichzeitig die schwerste. Viele Ereignisse passierten in kurzer Zeit und weder das eine noch das andere war wirklich positiv. Ein MRT von meiner LWS wurde erstellt. Kurz darauf hatte ich einen Auswertungstermin bei meinem Orthopäden. Neben einigen Bandscheibenschäden an Bandscheiben, die eher selten betroffen sein sollten, einer Fehlstatik, einem Morbus Scheuermann und einer muskulären Dysbalance war ’nichts‘ zu finden. So genau konnte ich es gar nicht verstehen, aber es schien wichtig zu sein. Für meine Sammlung medizinischer Schwachstellen gab es gleich einiges zutun. Ich sollte mich unbedingt bei einem ansässigen Wirbelsäulenspezialisten vorstellen, bekam erneut ein Rezept für Manuelle Therapie und ein Formular für die Krankenkasse/Rentenkasse zur Beantragung einer Rehabilitation. Gesagt getan!

Mit meiner Manualtherapeutin, verstand ich mich mit jedem Mal besser. Sie begleitete mich bereits eine Weile durch diese komische Zeit. Während alle anderen um mich herumdokterten, war sie die einzige, die alles mit dem EBV verband. Ihre Erklärungen klangen logisch und ich hoffte einfach, dass irgend ein Arzt dieses auch erkennen würde. Doch meine Hausärztin schaltete auf stur. Sie drehte mir Überweisungen für einen Psychiater und Psychotherapie an. Etwas, was ich einfach nicht begreifen konnte und wollte. Ich hätte etwas psychosomatisches, so viel und ständig könne man gar nichts haben, das geht einfach nicht, meinte sie. Da ich dieses nicht einfach so auf mir sitzen lassen wollte und von diesem ganzen Psychokram auch nicht ansatzweise überzeugt war, versuchte ich auch weiterhin meinen Weg zu finden. Auf weitere Unterstützung ihrerseits konnte ich jedenfalls nicht hoffen. Es gab weitere Tests und Untersuchungen beim Neurologen. Da ich zusätzlich zu meinen Schwindel- und Hitzeattacken, auch über Druck im Kopf, Sehstöhrungen, Muskelzukungen, Rückenschmerzen… klagte, wollte er eine 3,5 stündige Testreihe mit mir durchführen. Das Ergebnis negativ – Hoffnung geplatzt.

Mein Besuch beim Wirbelsäulenspezialisten war zunächst erfolgreicher. Nach genauster Begutachtung meiner Befunde und eines weiteren Wirbelsäulenbefummelns stellte auch er die defekten Bandscheiben fest. Da ich ja noch recht jung bin, käme eine OP nicht infrage. Man könnte dies zwar tun, allerdings hätte ich dadurch zu große Bewegungseinschränkungen. Man könne auch einiges mit Sport erreichen und ja, auch er hielt eine Reha für sinnvoll. Eine weitere Möglichkeit wären computergesteuerte Spritzen. Er faselte noch etwas von Kosten, da diese wohl recht teuer wären, ich gleich zwei benötigen würde und irgendetwas anderes. Ich hatte da allerdings schon abgeschaltet. Meine Konzentration war auch nicht mehr das, was sie mal war.

Das zuhause sitzen, nichts machen zu können als sich irgendwie durch den Tag zu bringen und nur schwerfällige Einkaufen machte mich in der weiteren Wartezeit einfach nur fertig. Warten ist und war für mich schon immer der Horror und dieses Mal ganz extrem. Ich entwickelte gar eine gewisse Art Depression. Aber hej, es konnte ja nur noch schlimmer werden. Auf Anraten meiner Manualtherapeutin suchte ich auch im November erstmals eine Heilpraktikerin auf. Darunter konnte ich mir zunächst gar nichts vorstellen, dachte eher es hätte was mit Hokus Pokus Fiedibus zutun, aber ich war für alles offen – naja gut, für fast alles. Einen Termin gab es für mich auch hier recht fix. Leider befand sich ihre Praxis in Bad Schwartau. Eine große Reise, fast Weltreise zu diesem Zeitpunkt. Ich hatte mir eine 45 minütige Busfahrt rausgesucht. Obwohl ich selbst hierbei Probleme hatte und oftmals dank meiner Sehstörungen und sonstigen Reaktionen öffentliche Verkehrsmittel nahezu gemieden habe, war dies die ‚günstigste‘ Möglichkeit – man muss ja schließlich auf die Kosten achten.

Natürlich lief auch das anders ab als geplant. Bereits kurz nach dem Einsteigen hatte ich extreme Hitzewallungen, meine Beine wurden kalt und mein Rücken schmerzte ungemein. Ich musste meine Reise abbrechen und wie für alle meine anderen Erledigungsfahrten ein Taxi nehmen. Die bequemste und rückenschonenste Art. Dort traf ich dann auf eine sehr nette Frau. Sie hatte sich für mich extra etwas mehr Zeit freigeschaufelt und stellte tausende Fragen. Endlich jemand der mich ernst nahm. Die Anamnese dauerte fast 2,5 Stunden. Für die Rückfahrt ließ ich mich gegen meinen Stolz dann abermals abholen. Ich konnte nicht mehr laufen bzw. ich schon, meine Beine nicht. Ich verbrachte die Wartezeit auf ein paar Stufen vor einem Gardinenladen. Es war bereits dunkel und ich beobachte das Treiben auf dem Marktplatz. Hier hatte ein mikriger Weihnachtsmarkt zum großen Saufgelage geladen. Hohoho, ich hasste Weihnachten.

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