Hallo, ich bin Akutpatient

Meine Hausärztin sah mich in dieser Zeit häufiger als gedacht. Fast wöchentlich stattete ich ihr einen Besuch ab. Es ging nicht wirklich voran, das wurmte mich sehr. Dieses mal war es ein Kontrolltermin nach einer Blutabnahme. Heute hatte ich mal wieder was anderes – heftige Beinzuckungen. Ich konnte rein gar nichts machen, meine Beine blieben einfach unkontrollierbar. Ich saß da, konnte kaum sitzen und zuckte mit meinen Beinen. Bereits nach kurzer Zeit wurde eine andere Patientin auf mich aufmerksam. Sie fragte, ob sie der Ärztin bescheid geben solle und wollte sich kümmern. Allerdings konnte ich sie beruhigen und wir quasselten dann fast eine ganze Stunde lang. Natürlich kam sie noch vor mir ran. Ansonsten schenkte man mir kaum Beachtung. Ich sollte bereits vor halb 10 da sein um noch am gleichen Tag ‚behandelt‘ zu werden, doch im Endeffekt war ich immer der Letzte der aufgerufen wurde. Meine Beine hatten sich innerhalb dieser 2 Stunden wenigstens beruhigt. Meine Ärztin half mir natürlich nicht bzw. sie wusste es wahrscheinlich einfach nicht besser, noch hatte wirklich Lust sich damit auseinanderzusetzen.  An ihrem Rechner klebte ein kleines Post-it mit der Aufschrift ‚EBV-Serelogie‘. Das dieser anscheinend nur Deko war, merkte ich jedoch sehr schnell. Ich solle mich mal nicht so anstellen und rausgehen. Ich brauche frische Luft und etwas mehr Bewegung, dann geht es mir auch besser. Sie drängelte, dass ich Termine bezüglich Psyche machen solle und das wars. Noch am Nachmittag stattete ich meinem Orthopäden einen Besuch ab. Der Weg stellte mich vor eine große Herausforderung. Es ging irgendwie immer weiter Berg ab. Dort angekommen begannen meine Beine wieder tanzen zu wollen, ein Tremor der tollsten Art. Ich hyperventilierte, bekam mich nicht mehr ein. Zwei Schwestern brachten mich zu einer Liege, halten Händchen und versuchten mir zu helfen, während eine andere den Arzt informierte. Diese Situationen in denen man einfach nicht man selbst ist, noch Kontrolle besitzt – eines der furchtbarsten Momente. Ich bekam etwas ähnliches wie Morphium, das war schön. In einem Nebenzimmer mit Decke, liegen und warten dass die Beine aufhören. Nebenbei bekam ich meinen ausgefüllten Reha-Antrag vom Orthopäden zugesteckt. Den Rest des Tages lag ich dann flach, aber das war mir egal, ich spürte mal fast nichts.

„Weihnachtszeit, schönste Zeit“ so oder so ähnlich heißt es zumindest. Meine Heilpraktikerin hatte noch mehrfach mit mir telefoniert und mir Ratschläge gegeben und verschiedenste Globuli und Tropfen-Therapien angesetzt. Ihre Auflistung an Diagnosen öffnete mir ein ganz neuen Ratgeber komplexer medizinischer Reaktionen. Dennoch bestärkte sie mich darin, dass es nichts psychisches sei von dem ich da sprach. Nichts desto trotz hatte ich einen Termin beim Psychologen und Psychiater vereinbart. Eins der weiteren furchtbaren Erfahrungen die ich machte. Der Psychologe bzw. Verhaltenstherapie ging ja noch. Es war ein alter, grauhaariger Mann in einem einsamen, ruhigen Gebäude und er saß in mitten von Papierstapeln in einem sonst fast leeren Raum mit Sofaecke. Wenn man hier den ganzen Tag arbeiten müsste würde ich es auch mit der Psyche bekommen dachte ich noch. Er stellte mir zig Fragen und schrieb eifrig mit. Er konnte mich teilweise genauso wenig wie ich verstehen, aber er notierte es. Es verging so knapp eine Stunde und wir müssten uns nun häufiger sehen. Bereits nach dem 2. Termin brachen wir die Versuche im Gegenseitigen Einverständnis ab. Er könnte gerade mal ein Erschöpfungssymptom aufgrund meiner vielen Arbeit vermuten, aber sonst nichts.

Beim Psychiater hingegen fühlte ich mich sofort unwohl. Das Wartezimmer war voll mit komischen Gestalten, ich wippte vor Schmerzen hin und her. Im Gespräch wurde ‚dieses unnormale Verhalten‘ später aufgegriffen. Er fragte mich wirres Zeug und egal was ich sagte, es war falsch. Im Vergleich zu allen anderen, die ihn heute besuchten, sei ich ein Akutpatient. Ich hätte wahnsinnige Verhaltensstörungen mit Panik und Angst vor Menschen, so oder so ähnlich wollte er mir das zumindest einreden. Da ich alles von mir wies und mic auf seine hinrissige Argumentation nicht einlassen wollte, war für ihn ein weiteres EINDEUTIGES Signal einer psychischen Störung.

Ich hatte ja schon viel gehört, ich habe Schmerzen, wie verrückt, kann kaum Laufen/Stehen/Sitzen und dann will man mir sagen ich hätte Angst vor Menschen?! Seine Meinung beschäftigte mich noch ewig und es war gerade das, was ich nun gar nicht hören wollte – meine Hausärztin wurde allerdings in ihrer Vermutung bestätigt… Juche.

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